500 „Leere Stühle“ in Düsseldorf – Gastronomen setzen starkes Zeichen für ihre Branche

Zahlreiche Düsseldorfer Gastronomen beteiligen sich diesen Freitag, den 24. April an einem bundesweiten Aktionstag und stellen hunderte Stühle aus ihren Restaurants auf den Rathausplatz. Mit dem stillen Protest möchten sie auf die massive Bedrohung ihrer Branche durch den Corona-Shutdown aufmerksam machen und ihren Forderungen nach wirksameren Hilfen durch die Politik Nachdruck verleihen.

 

Begonnen hat die Aktion vergangenen Freitag vor der Dresdener Frauenkirche, nun zieht die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt nach: Gemeinsam mit dem Leaders Club und dem Verband Dehoga NRW planen zahlreiche Düsseldorfer Gastronomen am kommenden Freitag von 11:00 – 13:00 Uhr eine stille Mahnwache und platzieren auf dem Rathausplatz rund 500 leere Stühle – sinnbildlich für die derzeit geschlossenen gastronomischen Betriebe. Zusätzlich werden die Gastronomen der Düsseldorfer Altstadt ihre Stühle vor ihre Betriebe in Form einer Stuhl-Kette aufstellen und so entlang der Bolkerstraße auf den Platz der Mahnwache hinführen.

 

„Dabei wollen wir uns selbstverständlich an die gesetzlichen Vorgaben und Auflagen des Infektionsschutzes halten“, versprechen die Organisatoren. Eine Menschenansammlung soll bei dem stillen Protest demnach ausdrücklich nicht erreicht, sondern vielmehr Politik und Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam gemacht werden.

 

 

Gastronomie braucht Sicherheit(*)

 

Zwar hat die Bundesregierung zum späten Mittwochabend bereits erste Maßnahmen wie die Anhebung des Kurzarbeitergeldes, die Verlängerung des Arbeitslosengeldes sowie die zunächst auf ein Jahr befristete Senkung des Steuersatzes auf 7% auf den Weg gebracht, weiterhin entscheidend sei für die Branche jedoch ein Fahrplan, wann und unter welchen Bedingungen die Gastronomie in Deutschland wieder öffnen darf. „Wir freuen uns, dass es vorwärts geht. Aber wir brauchen mehr Sicherheit, um für den Sommer und darüber hinaus planen zu können“, sagt Kerstin Rapp-Schwan.

 

„Die 7 % werden für deutlich reduzierte Einnahmen gelten: Aufgrund der dringend benötigten Abstands- und Hygieneregelungen und des zu erwartenden veränderten Gastverhaltens rechnen wir mit 50 % weniger Umsatz. Die Befristung bietet außerdem keine belastbare Perspektive für die Rückzahlung der von uns in der Krise aufgenommenen Kredite.“

 

Demnach lauten die Forderungen weiterhin:

  1. Eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ab dem 4. Monat
  2.  7 % MwSt. zur Refinanzierung der auflaufenden Kosten und entfallenden Gewinne
  3. Einen klaren Zeitplan zur Wiedereröffnung.

 

„Wir möchten mit der Aktion „Leere Stühle“ eine bundesweite Bewegung machen: mit so vielen Stühlen in so vielen Städten wie möglich“, sagt Michael Kuriat, Präsident des Leaders Clubs Deutschland. „Wir suchen Gastronomen, die in ihrer Stadt die Organisation übernehmen, um gemeinsam ein starkes Zeichen zur Rettung unserer Branche und unserer Betriebe setzen. Denn bei den jüngsten Verhandlungen zur Lockerung der Einschränkungen hat die Gastronomie überhaupt keine Rolle gespielt. Wir werden schlichtweg im Dunkeln stehen gelassen und steuern geradewegs in eine unglaubliche Katastrophe.“

 

Davon betroffen seien neben den fast 2,5 Millionen Mitarbeitern auch die Industriepartner und ein Großteil der Kulturszene. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und durchaus in der Lage, wirksame Hygiene-Konzepte zur erarbeiten und umzusetzen. Aber dazu muss man mit uns reden und uns die Perspektive geben, diese schwierige Zeit überbrücken zu können.“

 

 

Teilnahme ist noch möglich

 

Alle Düsseldorfer Gastronomen und Gastwirte sind eingeladen, sich spontan an der Protestaktion zu beteiligen. Mit Logo versehene Stühle (mindestens 5 Stück) können einen Tag vorab, am Donnerstag zwischen 11 und 17 Uhr, an der Unteren Rheinwerft (Frankenheim Ausschank/Kasematten) abgegeben werden. Ansprechpartner vor Ort ist Patrick Ogiermann.

 

Weitere Infos für Teilnehmer: www.leadersclub.de

 

*[Anm. d. Red.] Aufgrund des Beschlusses der Bundesregierung am Abend des 22. April 2020 wurde der Artikel in Bezug auf die neuen Forderungen der Gastronomen redaktionell verändert. Der für den 24. April angekündigte bundesweite Aktionstag #LeereStühle soll wie geplant stattfinden.